Menschen mit schwachem Herz dürfen hoffen

Die Pumpfunktion des Herzens ist lebensnotwendig. Einschränkungen dieser Funktion haben erhebliche Folgen, insbesondere auch auf die Lebensqualität der betroffenen Menschen. Doch Menschen mit dieser Erkrankung dürfen hoffen. Galt vor zwei Jahrzehnten noch die Herztransplantation als einzige Rettung, haben verschiedene medikamentöse Therapieformen in den letzten Jahren die Notwendigkeit für diesen schweren chirurgischen Eingriff immer seltener gemacht. Nun kommt Hilfe aus der Intensivmedizin. Levosimendan, bisher nur bei akuten Fällen einer Verschlechterung der Herzfunktion eingesetzt, hilft auch bei schweren chronischen Fällen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen steigt auch in Österreich stetig an. Zwischen den Jahren 1999 und 2001 wies der Gesundheitsbericht des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheit (ÖBIG) eine durchschnittliche Steigerung der Lebenserwartung um mehr als ein halbes Jahr für Männer und Frauen aus. Die Menschen werden also älter; die Erhaltung einer guten Lebensqualität bis ins hohe Alter ist eine der wichtigsten und auch schwierigsten Aufgaben der modernen Medizin.

Die chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz) wird die dominierende Herzkrankheit des 21. Jahrhunderts sein. In Europa leiden fast 10 Millionen Menschen an einer chronischen Herzinsuffizienz, in den USA werden durch dieselbe Erkrankung etwa 1 Million Spitalsaufenthalte und mehr als 250.000 Todesfälle pro Jahr verursacht. Man schätzt, dass sich diese Anzahl in 30 Jahren etwa verdoppelt haben wird. Je älter die Menschen werden, desto häufiger erkranken sie an einer Herzinsuffizienz. Bei über 65jährigen ist fast jeder sechste Mensch erkrankt. In Österreich sind rund 160.000 Menschen davon betroffen.

In den letzten Jahren wurden wesentliche Fortschritte im Verständnis der medizinischen Vorgänge rund um die Entstehung einer chronischen Herzinsuffizienz gemacht. Zum Teil werden diese Fortschritte jetzt bereits therapeutisch umgesetzt. Bei leichten Fällen der chronischen Herzschwäche wird zunächst begonnen, die zugrunde liegenden Erkrankungen zu behandeln, wie zum Beispiel einen Bluthochdruck. Bestimmte Blutdruckmedikamente (ACE-Hemmer, Betablocker und Angiotensin-II Rezeptorblocker) haben gezeigt, dass das Fortschreiten der Erkrankung verzögert oder aufgehalten werden kann. Auch Entwässerungsmittel werden in vielen Fällen mit gutem Erfolg eingesetzt.

Doch nicht immer kann die Verschlechterung der Herzfunktion aufgehalten werden und die Erkrankung schreitet fort, die Symptome werden schwerer; insbesondere dann, wenn andere Erkrankungen, Stressfaktoren oder Operationen hinzutreten. In solchen Fällen kommt es zu einer weiteren Verschlechterung der Herzfunktion. Die Patienten merken das etwa an einem Absinken des Blutdruckes unter die sonst gewohnten Werte und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (zum Beispiel Beine, Lunge etc.). Diese Verschlechterungen werden meistens im Krankenhaus behandelt.

Bisher setzte man meist Substanzen ein, die die Herzaktion antreiben und so auch zu einem erhöhten Sauerstoffverbrauch führen. Vor einigen Jahren kam ein Medikament auf den Markt, das über eine andere Strategie herzstärkend wirkt. Dies ist ein Medikament, das über die Vene gegeben werden muss. Durch Gabe dieses Medikamentes bietet man dem Herzmuskel die Möglichkeit, die vorhandenen Möglichkeiten besser zu nützen. Es steigert die Herzkraft, ohne dabei den Sauerstoffverbrauch zu erhöhen; auch der Herzrhythmus wird, im Gegensatz zu den herkömmlichen Medikamenten, dadurch kaum beeinflusst.

Die neue Substanz wird meist über 24 Stunden über die Vene gegeben und führt zu einer Verbesserung der Herzfunktion. Aber auch, wenn keine akute Verschlechterung der Herzfunktion eingetreten ist, kann in schweren Fällen eine Therapie damit durchgeführt werden, um Verschlechterungen vorzubeugen. In diesen Fällen erfolgt die Verabreichung mehrmals im Abstand von einigen Tagen, um die Herzfunktion zu verbessern. Auf diese Weise können Patienten auf eventuell notwendige Herzoperationen vorbereitet werden, oder man kann die Wartezeit auf eine Herztransplantation überbrücken. Insgesamt gelingt es immer wieder, damit Lebensqualität zurückzugeben und dadurch Hoffnung zu spenden.

Bericht:

OA Dr. Christian Woisetschläger
Facharzt für Innere Medizin
Univ.-Klinik für Notfallmedizin
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